verschiedene Lederarten nebeneinander
17.03.2026

Lederarten – was macht hochwertiges Leder aus?

Leder ist nicht gleich Leder. Je nach Lederart unterscheiden sich Haptik, Oberfläche, Robustheit, Pflege und Optik teilweise deutlich. Dabei spielen nicht nur die Herkunft der Tierhaut, sondern auch Gerbung und Verarbeitung eine entscheidende Rolle.

Da wir für unsere Produkte verschiedene Lederarten und Verarbeitungsweisen einsetzen, beschäftigen wir uns bei Harbour 2nd als Lederliebhaber intensiv mit diesen Unterschieden. Das Lederwissen hinter unserer Marke reicht über 50 Jahre zurück. In diesem Überblick erfährst Du, welche Ledersorten es gibt, wodurch sie sich unterscheiden und welches Material zu welchem Zweck passt.

Was genau ist Leder?

Echtleder entsteht aus tierischer Haut, die durch Gerbung dauerhaft haltbar gemacht wird. Ohne diese Behandlung würde die Haut austrocknen oder verrotten. Erst durch das Gerben wird sie geschmeidig, widerstandsfähig und dauerhaft nutzbar. Beim Gerben verändert sich die Faserstruktur der Haut, sodass gegerbtes Leder je nach Ausgangsmaterial und Herstellung gleichzeitig fest, elastisch und geschmeidig sein kann.

Die Ledergewinnung und Lederherstellung haben eine lange Geschichte. Während früher viel manuelle Arbeit notwendig war, kommen heute kontrollierte Verfahren und unterschiedliche Gerbstoffe zum Einsatz. Tierart, Hautschicht, Gerbung, Oberflächenbehandlung und Weiterverarbeitung bestimmen gemeinsam die späteren Eigenschaften.

Aufgrund seiner vielen vorteilhaften Eigenschaften wird Leder für zahlreiche Produkte genutzt – von Kleidung und Schuhen bis zu Taschen und Accessoires aus Leder.

Beispiel für Lederart

Merkmale von hochwertigen Lederarten

Qualität lässt sich nicht an einem einzigen Merkmal festmachen - auch nicht an dem Preis. Ein besonders dickes Leder ist nicht automatisch hochwertiger als ein dünnes, weiches Material. Entscheidend ist vielmehr, ob die Lederart zu ihrem jeweiligen Zweck passt und sorgfältig verarbeitet wurde. Je nach Ledersorte können eine natürliche Narbenstruktur, sichtbare Hautporen, eine angenehme Haptik und individuelle Unterschiede in Maserung oder Farbe typische Merkmale sein.

Auch die Alterung fällt unterschiedlich aus. Offenporiges Leder entwickelt häufig deutlich sichtbare Gebrauchsspuren an der Oberfläche. Offenporiges Leder kann mit der Zeit eine individuelle Patina entwickeln. Die passende Pflege hängt von der Lederart ab. Auch hochwertiges Echtleder kann je nach Oberflächenbehandlung wenig oder keine sichtbare Patina entwickeln. 

Da es ein Naturprodukt ist, sollte sich das Leder an sich lebendig anfühlen. Keine starren Materialien oder perfekten Stellen. Mehr dazu findest Du in unserem Beitrag, in dem wir die Patina bei Leder erklären.

Ledersorten im Überblick: Wie lassen sie sich unterscheiden?

Begriffe wie Rindleder, Nubuk, Glattleder oder Spaltleder beschreiben unterschiedliche Eigenschaften. Ein Leder kann beispielsweise gleichzeitig vom Rind stammen, Vollnarbenleder sein und pflanzlich gegerbt werden.

Dieser Überblick hilft Dir dabei, die Einordnung besser zu verstehen:

Einteilung

Beispiele

Tierart

Rind, Kalb, Lamm, Ziege, Schwein

Hautschicht und Narbung

Vollnarbenleder, korrigiertes Narbenleder, Spaltleder

Oberfläche

Glattleder, Nubuk, Veloursleder, Lackleder

Gerbung

pflanzlich, chromgegerbt, chromfrei

Weiterverarbeitung

Waschen, Fetten, Prägen

Kunstleder gehört dagegen nicht zu den aus Tierhaut hergestellten Lederarten. Wenn Du beide Arten vergleichen möchtest, erklären wir Dir den Unterschied zwischen Kunstleder und Echtleder. Auch die Frage Ist PU Leder echtes Leder? beantworten wir ausführlich in unserem Blog. Zudem kannst Du Dir dort Wissen dazu aneignen, wie Du eine Ledertasche richtig reinigst.

mehrere Ausführungen einer Lederart nebeneinander

Glattleder: von offenporig bis geschützt

Bei Glattleder bleibt die Narbenseite der Lederhaut als Oberseite erhalten. Je nach Verarbeitung ist die Lederoberfläche weitgehend naturbelassen, leicht bearbeitet oder mit einer Schutzschicht versehen.

Anilinleder

Anilinleder ist eine besonders natürliche Glattlederart. Die Oberfläche wird nicht mit einer deckenden Pigmentschicht überzogen, sodass Hautstruktur und Narbung deutlich sichtbar bleiben. Dadurch besitzt das Material eine natürliche Optik und weiche Haptik, reagiert aber auch sensibler auf Wasser, Fett und Flecken.

Semianilinleder erhält dagegen einen leichten Oberflächenschutz, ohne die natürliche Struktur vollständig zu verdecken. Pigmentiertes Glattleder besitzt eine stärkere Schutzschicht und ist dadurch meist unempfindlicher gegenüber Verschmutzungen.

Lackleder

Bei Lackleder erhält die Oberfläche eine glänzende Beschichtung. Dadurch entsteht das typische glatte, spiegelnde Erscheinungsbild. Gleichzeitig gelten für Reinigung und Lederpflege andere Anforderungen als bei offenporigen Ledersorten.

Fettleder

Fettleder wird bei der Herstellung intensiv mit Fetten, Ölen oder Wachsen behandelt. Dadurch entsteht häufig ein kräftiges, geschmeidiges Material mit markantem Look. Leichte Kratzer und Gebrauchsspuren können bei vielen Fettledern zum gewünschten Erscheinungsbild beitragen und mit der Zeit eine individuelle Patina entstehen lassen.

Rauleder: Nubuk und Veloursleder

Rauleder zeichnet sich durch seine samtige bis faserige Oberfläche aus. Zu den bekanntesten Varianten gehören Nubuk und Veloursleder.

Nubukleder

Bei Nubuk beziehungsweise Nubukleder wird die Narbenseite fein angeschliffen. Dadurch entsteht eine besonders weiche, samtige Oberfläche. Die natürliche Hautstruktur kann dennoch sichtbar bleiben.

Da der Flor empfindlich auf Fett und ungeeignete Pflegeprodukte reagiert, sollte Nubuk mit speziell dafür vorgesehenen Mitteln behandelt werden. Eine fetthaltige Creme kann die Struktur verkleben oder das Material deutlich nachdunkeln.

Veloursleder

Beim Velours wird eine faserige Seite der Lederhaut als sichtbare Oberfläche genutzt beziehungsweise entsprechend aufgeraut. Dadurch erhält Veloursleder seine typische weiche Struktur.

Oft wird dafür umgangssprachlich auch der Begriff Wildleder verwendet. Fachlich ist das jedoch nicht dasselbe: Wildleder bezeichnet Leder von Wildtieren, beispielsweise Hirschleder, während Velours eine bestimmte Oberflächenstruktur beschreibt.

verschiedene Lederarten nebeneinander

Vollnarbenleder und Spaltleder

Auch die verwendete Hautschicht hat Einfluss auf die Beschaffenheit. Bei Vollnarbenleder bleibt die natürliche Narbenseite vollständig erhalten. Hautporen, Narbenstruktur und kleinere Unregelmäßigkeiten können sichtbar bleiben und verleihen dem Naturprodukt Individualität.

Bei korrigiertem Narbenleder wird die Oberfläche angeschliffen und anschließend weiterverarbeitet, um ein gleichmäßigeres Erscheinungsbild zu erhalten.

Spaltleder entsteht, wenn eine dickere Lederhaut horizontal geteilt wird. Der untere Spalt besitzt eine andere Faserstruktur als die Narbenschicht und kann anschließend beschichtet oder anderweitig veredelt werden. Der Begriff beschreibt also zunächst die Hautschicht und sagt allein noch nichts über die Qualität des fertigen Lederprodukts aus.

Welche Rolle spielt die Gerbung?

Durch die Gerbung wird Tierhaut haltbar. Gleichzeitig beeinflusst der Prozess Eigenschaften wie Festigkeit, Elastizität und Geschmeidigkeit des fertigen Materials. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Pflanzlich gegerbtes Leder

Für pflanzlich gegerbtes Leder werden natürliche Gerbstoffe, sogenannte Tannine, verwendet. Sie können beispielsweise aus verschiedenen Rinden oder Hölzern gewonnen werden.

Das Ergebnis ist häufig ein etwas festeres Leder, das mit der Zeit eine ausgeprägte Patina entwickeln kann. Seine konkreten Eigenschaften hängen jedoch zusätzlich von Tierart und Weiterverarbeitung ab.

Chromgerbung und chromfreies Leder

Bei der Chromgerbung kommen Chromsalze zum Einsatz. Das Verfahren ermöglicht eine vergleichsweise schnelle Herstellung und kann weiches, strapazierfähiges Leder hervorbringen. Daneben gibt es chromfrei gegerbtes Leder. Wichtig: Chromfrei bedeutet nicht automatisch pflanzlich gegerbt, denn auch andere Gerbstoffe können eingesetzt werden.

Übrigens: Das Waschen, das bei vielen unserer Taschen eine besondere Rolle spielt, ist wiederum keine Gerbart. Viele unserer Modelle werden zunächst vollständig genäht, gefüttert und mit Beschlägen versehen und anschließend als Ganzes gewaschen. Dadurch verändert sich das Material und jedes Stück entwickelt seinen eigenen Charakter.

Leder nach Tierart: Rind, Kalb, Lamm und mehr

Auch die Herkunft der Haut beeinflusst die Eigenschaften des Leders. Hier zeigen wir Dir ein paar Tiere, die in der Ledergewinnung eine große Rolle spielen:

Rindleder

Rindleder stammt vom ausgewachsenen Rind und lässt sich vielseitig verwenden. Je nach Gerbung und Verarbeitung kann es eine hohe Festigkeit und Robustheit besitzen, weshalb es sich gut für regelmäßig genutzte Taschen und andere Lederwaren eignet.

Auch bei Harbour 2nd verwenden wir für viele unserer Produkte Rindleder. Dazu gehören sowohl gewaschene als auch anders verarbeitete Varianten. Welche Lederart verwendet wurde, findest Du jeweils in den Produktinformationen.

Leder von weiteren Tieren

Kalbsleder besitzt häufig eine besonders feine Narbenstruktur und kann gleichzeitig fest und geschmeidig sein. Deshalb wird es gerne für hochwertige Schuhe, Taschen und weitere Lederprodukte verwendet.

Lammleder zeichnet sich dagegen meist durch seine Weichheit und Geschmeidigkeit aus und ist vergleichsweise dünn und leicht. Wir verwenden beispielsweise bei ausgewählten Produkten Lamm-Nappa. Hier zeigt sich auch ganz deutlich, weshalb die Lederdicke allein kein Qualitätsmerkmal ist!

Daneben gibt es Leder von Ziegen, Schweinen, Pferden, Hirschen und weiteren Tierarten wie zum Beispiel Reptilleder.

verschiedene Lederarten von unterschiedlichen Tieren im Vergleich

Welche Lederart passt zu welchem Zweck?

Welche Ledersorte für Dich geeignet ist, hängt davon ab, welche Eigenschaften Du bevorzugst. Wenn Du Dir bei der Auswahl unsicher bist, achte daher nicht nur auf den Namen der Ledersorte. Überlege auch, wie Du das Produkt im Alltag nutzen möchtest und welchen Look Du bevorzugst.

Dein Wunsch

Geeignete Eigenschaften

natürliche Optik und deutliche Patina

offenporige Lederoberfläche

samtige Haptik

Nubuk oder Velours

gleichmäßige, glatte Oberfläche

zugerichtetes Glattleder

auffälliger Glanz

Lackleder

markanter Vintage Look

Fettleder oder gewaschenes Leder

regelmäßige Nutzung

robust verarbeitetes Leder passend zum Produkt

Übrigens: Auch das Design beeinflusst das Erscheinungsbild. Bei unseren geflochtenen Taschen aus Leder entsteht zum Beispiel durch die Flechtstruktur eine besondere Haptik und Optik.

Welche Lederart gefällt Dir am besten?

Ob glatt oder samtig, weich oder kräftig, gleichmäßig oder mit sichtbarer Narbenstruktur: Verschiedene Lederarten bringen ihre ganz eigenen Eigenschaften mit. Statt Dich nur an Begriffen wie Rindleder, Nubuk oder Vollnarbenleder zu orientieren, ist der Blick auf das Zusammenspiel aus Herkunft, Gerbung, Oberfläche und Verarbeitung wichtig.

Genau diese Unterschiede machen Leder für die Verwendung bei unseren Produkten so spannend. Wenn Du sie selbst erleben möchtest, kannst Du unterschiedliche Modelle und Materialien miteinander vergleichen – und so die Ledertasche finden, deren Haptik, Optik und Charakter am besten zu Dir passen.