Nicht jede Lederart und nicht jedes Lederstück sind hochwertig. Zwischen robusten Arten, die viele Kratzer und Gebrauchsspuren aussitzen können, und eher feinen Optionen gibt es große Unterschiede. Bereits bei der ersten Auswahl des Materials werden Unterschiede festgelegt, die am Ende darüber entscheiden, wie lange Deine Lederprodukte halten und wie Du sie pflegen musst. Natürlich sind auch die Punkte Reparatur und Schönheit nicht außer Acht zu lassen. Darum solltest Du Dich informieren, was genau ein Leder eigentlich hochwertig macht.
Dabei sind neben der Tierart und der Gerbung auch die Oberfläche und die Verarbeitung wichtig. Du kannst beispielsweise Glattleder nicht mit Veloursleder gleichsetzen, da beide Lederarten vollkommen verschiedene Qualitäten und Optionen bieten. Da wir in unserem Shop Ledertaschen anbieten, die aus verschiedenen Lederarten gemacht werden, möchten wir Dich beraten. Selbiges gilt aber auch für Lederjacken oder Lederschuhe, die Du bei anderen Herstellern kaufen kannst.
Tipp: Du kannst auf den Produktseiten unserer Handtaschen immer nachlesen, welches Material genutzt wurde. Teilweise sind dort auch andere Informationen, etwa zur Verarbeitung, enthalten. Bei Produkten von anderen Herstellern solltest Du im Zweifelsfall nachfragen, welche Art des Leders zur Herstellung verwendet wurde!
Was genau ist Leder?
Leder entsteht aus tierischer Haut, die durch den sogenannten Gerbprozess haltbar gemacht wird. Ohne diese Behandlung würde die Haut austrocknen oder verrotten. Erst durch das Gerben wird sie geschmeidig, widerstandsfähig und dauerhaft nutzbar. Früher wurde das Gerben von Hand erledigt und für jede Lederjacke und jede Hose wurde viel, viel Zeit gebraucht. Heute werden die Gerbungen von Maschinen und automatischen Systemen erledigt, die weitaus gleichmäßiger und präziser arbeiten.
Leder ist aufgrund seiner Faserstruktur so besonders. Sie sorgt dafür, dass das Material gleichzeitig flexibel und reißfest ist. Zudem kann es Feuchtigkeit aufnehmen und weitergeben. Genau deshalb eignet es sich seit Jahrhunderten für Taschen, Schuhe und verschiedenste Lederaccessoires. Während die Tierhaut zwar die Basis für die Nutzung bietet, ist hauptsächlich die spätere Verarbeitung für die Qualität verantwortlich.
Ein hervorragendes Stück Leder kann bei schlechter Bearbeitung trotzdem sehr schnell zu spröden und rissigen Optiken an einer Ledercouch oder an anderen Möbeln führen. Wir nutzen übrigens ganz bestimmte Techniken, wenn es um Gerbung und Weiterverarbeitung unserer Umhängetaschen aus Leder geht. Dazu gleich noch mehr. Zuerst besprechen wir die Merkmale von gutem Leder.

Merkmale von hochwertigen Lederarten
Gutes Leder ist teuer – ja, aber nicht nur das. Ein hoher Preis allein rechtfertigt noch nicht, dass es sich um qualitativ hochwertiges Leder handelt. Eine natürliche und individuelle Narbung sowie eine wunderbare Haptik sind zwei weitere große Faktoren. Außerdem darf die Farbe nicht künstlich wirken. Es sollten natürliche Farbunterschiede auftreten und die dezenten Unregelmäßigkeiten in Struktur und Erscheinung sollten authentisch wirken.
Die Oberfläche sollte überdies eine Patina entwickeln können. Sie ist nicht nur aufgrund des alten Looks so beliebt – sie schützt das Leder. Durch sie bleiben die Eigenschaften erhalten und das Material benötigt nahezu keine Pflege. Lederwaren, die keine oder kaum Patina entwickeln, sind entweder nicht aus echtem Leder gefertigt oder schlichtweg schlecht produziert. Da es ein Naturprodukt ist, sollte sich das Produkt an sich lebendig anfühlen. Keine starren Materialien oder perfekten Stellen.
Lederarten im Überblick
Kommen wir zu den unterschiedlichen Lederarten. Neben Nappaleder, Büffelleder und Hirschleder gibt es viele weitere Optionen. Im Grunde kann aus jeder Tierart Leder gewonnen werden. Die Lederart wird aber darüber definiert, welcher Teil der Lederhaut verwendet wird. Die Lederpflege und vieles mehr hängen dann von der Art ab. Während echte Lederliebhaber für jede Glattlederart und alle Raulederarten unterschiedliche Produkte benutzen, kann man für Lederimitate oft einfach Hausmittel verwenden. Um die Imitate soll es hier aber nicht gehen. Wenn Du gerne mehr zu PU Leder erfahren würdest, sieh Dich bei unseren Blogartikeln um.

Glattleder
Für Glattleder wird die Narbenseite der Lederhaut verwendet. Also die Seite, wo das Tier das Fell hatte. Daher findest Du auf der Oberfläche von Glattleder oftmals ein Muster oder schlicht eine Narbung, die ähnlich aussieht, wie Deine eigene Haut. Dieses Narbenbild kann mal stärker und mal weniger deutlich ausgeprägt sein. Es gibt jedoch die Möglichkeit, die Lederhaut so zu prägen, dass diese ein einheitliches Muster hat. Glattleder ist strapazierfähig und gegenüber Feuchtigkeit nicht so empfindlich wie Rauleder.
Wir verwenden es teilweise bei unseren Moon Bags und den Lederrucksack, die Dich im Alltag begleiten können.
Lackleder
Bei Lackleder wird ebenfalls die Narbenseite der Lederhaut, also Glattleder verwendet. Auf die glatte Seite wird dann eine Lackschicht aufgetragen. Das funktioniert zum Beispiel bei Kalbsleder, aber auch bei anderen Optionen. Die Lackschicht schützt das Leder vor Feuchtigkeit, leichten Kratzern und unterbindet die Fähigkeit zur Feuchtigkeitsaufnahme und -weitergabe. Gegen Regen und Schnee ist diese Option entsprechend gut geschützt!
Fettleder
Bei Fettleder handelt es sich meistens um Glattleder, welches beim Herstellungsprozess mit Öl bearbeitet wird und dadurch besonders robust und wasserabweisend wirkt. Kratzer können aus dem Fettleder fast immer sehr gut entfernt werden. Da es auch optisch robust wirkt, wird es gerne im Outdoorbereich eingesetzt und entwickelt im Laufe seines Lebens eine starke Patina.
Veloursleder
Veloursleder gehört zu einer Raulederart. Laienhaft wird es oft als Wildleder bezeichnet. Wildleder muss jedoch aus der Haut eines Wildtieres gefertigt werden und kann somit Glattleder als auch Rauleder sein. Für Veloursleder wird die gegenüberliegende Seite der Lederhaut verwendet, die sich Fleischseite nennt. Du erkennst an dieser Lederart keine Struktur. Stattdessen ist es weich, fast flauschig und hat viele kleine Fasern. Veloursleder ist gegen Kratzer weniger anfällig, da die Oberfläche nicht glatt ist. Dafür ist es gegen Feuchtigkeit deutlich empfindlicher und kann bei Reibung schneller abfärben.
Nubukleder
Dieses Leder ist eine sehr hochwertige Form von Leder und zählt ebenfalls zur Kategorie Rauleder. Bei dieser Lederart wird die Narbenseite, also Glattleder, mit einem speziellen Verfahren leicht angeraut. So bleibt das Narbenbild erhalten, allerdings erhält die Art trotzdem eine samtige Oberfläche. Wie Veloursleder ist es etwas resistenter gegen Kratzer, aber anfälliger gegenüber Feuchtigkeit. Wodurch das Narbenbild des Leders erhalten bleibt, es jedoch eine samtig weiche Oberfläche bekommt. Dieses ist wie Veloursleder gegen Kratzer etwas resistenter, aber bei Feuchtigkeit umso anfälliger.
Wichtig: Behandelst Du Nubukleder mit einer Schuhcreme, entsteht daraus wieder Glattleder. Diese Veränderung lässt sich im Nachhinein nicht mehr rückgängig machen.

Gerbung und Gerbarten – wie Herstellung veredelt
Die Gerbung entscheidet maßgeblich darüber, wie sich Leder anfühlt, altert und wie es auf Umwelteinflüsse reagiert. Im Prinzip gibt es dabei viele unterschiedliche Optionen, die entweder auf pflanzliche Gerbstoffe oder auf mineralische Optionen setzen. Chromfreies Leder ist bei uns eine der häufigsten Wahlen. Du kannst zum Beispiel Umhängetaschen aus Leder aus chromfreiem Rindsleder kaufen.
Pflanzliche Gerbung (Vegetabile Gerbung)
In der Industrie wird die vegetabile Gerbung selten verwendet. Sie benötigt mehrere Wochen und wurde bereits vor dem Mittelalter genutzt. Dabei wird die Tierhaut mit pflanzlichen Stoffen – also Tanninen – gegerbt. Es handelt sich dabei meistens um Eichenrinde, Kastanie oder auch Mimose.
Chromgerbung
Dies ist die am häufigsten verwendete Gerbart. Hierbei wird die Tierhaut mit Chromsalzen gegerbt und haltbar gemacht. Durch die Chromsalze wird das Leder schnell weich und reißfest. Die Dauer der Gerbung beträgt in der Regel nicht einmal einen Tag.
Hinweis: Gewaschenes Rindleder, wie Du es bei uns findest, ist keine eigene Gerbart. Es wird stattdessen nach dem Gerben einer Waschung unterzogen. Dafür wird chromgegerbtes Leder genutzt, das dann optisch lebendiger und sehr weich erscheint.

Tierarten hinter dem Leder
Neben der Verarbeitung und Gerbung kannst Du oft auch die Tierart erkennen, zu welcher die Haut ursprünglich gehörte. Gerade Schweinsleder lässt sich zum Beispiel gut erkennen, da Du die Poren sehen kannst. In ihnen waren die Borsten des Tiers verankert. Du kannst aber auch andere Tierarten anhand des Narbenbilds erkennen.
Hinweis: Die Tierart entspricht einer Lederart nicht unbedingt. Bei Lederarten handelt es sich eher um Fettleder, Nubukleder und so weiter. Also um die Optionen, die Du im vorherigen Abschnitt gesehen hast.
Rindleder
Rindleder stammt logischerweise vom ausgewachsenen Rind. Sie gehört zu den “Hides” und zu den größten verfügbaren Optionen. Sie ist deutlich abriebfester, tragfähiger und im Allgemeinen robuster als die Haut von Jungtieren. Hochwertige Schuhe oder Lederwaren wie unsere Taschen werden durch das Rindleder widerstandsfähig und kräftig in der Haptik. 80 bis 90 % der Lederschuhe und -taschen werden übrigens aus Rinder- oder Kalbhaut hergestellt.
Kalbleder
Bei Kalbleder spricht man auch von “skin”. Die Skins sind die Häute der Jungtiere von größeren Tierarten. Im Vergleich zum Rind kannst Du ein feineres Narbenbild sehen und das Leder wirkt manchmal glatter oder eleganter. Trotzdem bleibt es verhältnismäßig robust und strapazierfähig. Da es Feinheit und Haltbarkeit vereint, ist es für hochwertige Taschen und Schuhe sehr beliebt.
Lammleder
Schaf- und Lammleder gehören zu den ovinen Ledern. Ovin steht dabei schlichtweg für „ovis“, also lateinisch für Schaf. Rindleder gehört somit zum bovinen Leder. Typischerweise ist es sehr weich, leicht und geschmeidig. Du kannst es öfter bei Bekleidung und Handschuhen finden. Alle weich fallenden Lederprodukte profitieren von den Eigenschaften des Lammleders. Allerdings ist es im Gegensatz zum bovinen Leder oft etwas empfindlicher gegen Abrieb.
Schafleder
Schafleder stammt vom Schaf und ist ebenfalls ein „Skin“. Es ist meist weich, vergleichsweise leicht und flexibel, aber in vielen Anwendungen etwas weniger fein und luxuriös im Griff als Lammleder. Mit erhaltener Wollseite nutzt man es oft für warme Handschuhe oder sehr weiche Schuhe. In diesem Fall nennt man das Leder Sheraling oder gewachsenes Fell.

Gute Lederarten – wie Du sie erkennst
Hochwertige Lederarten erkennst Du daran, dass sie sich natürlich anfühlen. Die Lederarten können dabei dick, dünn, weich oder hart sein. In den meisten Fällen ist qualitatives Leder jedoch eher dick, da es nicht aufgespalten wurde, um aus einem Lederstück mehr Material zu erhalten. In der Haptik fühlt es sich flexibel an und lässt sich natürlich bewegen.
Wenn Du gerne einen Vergleichswert hättest, sieh Dich einmal in einem Kaufhaus in Deiner Nähe um. Dort findest Du unsere Produkte in natura. Du kannst unsere Taschen aus den verschiedensten Ledersorten in die Hand nehmen, befühlen und einfach einmal ausprobieren, wie sich hochwertiges Leder anfühlt und wie es aussieht.